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Historie

Der lange Weg zur modernen Entsorgung

Geregelte Abfallentsorgung ist im Lübeck des Mittelalters noch ein Fremdwort. Die Abfälle landen in einer Grube hinter dem Haus oder werden einfach auf die Straße gekippt. Die Reinigung der Kopfsteinpflasterstraßen obliegt im 14. Jahrhundert dem Hauseigentümer, Hauptabfallbeseitiger aber ist der Regen, der den Müll hinfortspült. Straßenfeger sind vom Rat der Stadt nur im Rathausbereich, auf dem Markt und den anderen öffentlichen Plätzen eingesetzt.

Tiefes Mittelalter noch im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert werden Regen- und Straßenabwässer immer noch direkt in die lübeckischen Gewässer eingeleitet. Fäkalien und verderbliche Hausabfälle werden von Gärtnern abgeholt, die sie als Dünger einsetzen. Lumpen, Metall und Scherben werden verkauft.

Glasierte Tonrohre aus England

MuellmaennerDas Geburtsjahr einer neuzeitlichen Stadtentwässerung ist 1856: Steigende Bevölkerungszahlen und immer schlechter werdende hygienische Verhältnisse führen zu der Entscheidung, ein Leitungssystem für Schmutz- und Regenwasser zu bauen. Ab 1859 werden dabei aus England importierte glasierte Tonrohre eingesetzt. 1876 sind die Arbeiten im Stadtkern abgeschlossen, 1878 beginnen die Arbeiten in den Vorstädten.

Diskussionen um Gewässerbelastung

1888 startet ein Großversuch an der St.-Lorenz-Volksschule: Erstmals wird Torfmull als Einstreu in Fäkaleimern eingesetzt, die regelmäßig abgefahren werden. Heftig umstritten zwischen Senat und Bürgerschaft ist die Frage, ob Wasserklosetts Fortschritt oder erhöhte Gefährdung bedeuten würden. Der Senat möchte die Zahl der WCs beschränken, da er eine zu hohe Belastung der städtischen Gewässer befürchtet, die Bürgerschaft sieht dies anders.
 
Lübecks Wasserbaudirektor Peter Rehder, Planer des Elbe-Lübeck-Kanals, schreibt 1896 in seinem Gutachten über den Einfluß des Elbe-Trave-Kanals auf die hygienischen Verhältnisse der Stadt Lübeck: Sieleinleitungen in die Trave könne man so lange unbedenklich gestatten, wie die Selbstreinigung des Flusses funktioniere und die Anwohner nicht unerträglich belästigt würden. Der Gutachter des Kaiserlichen Gesundheitsamtes Dr. Petri habe allerdings bemerkt, dass von Geruch niemand sterbe.
Erst in den 30-er Jahren beginnt der Bau kleinerer mechanischer Kläranlagen im Stadtgebiet, so 1935 in der Mecklenburger Landstraße, auf dem Priwall und 1938 in der Straße Rose auf der Travemünder Seite.

Statt Pferdewagen Elektrofahrzeuge

Pferdewagen1912 empfiehlt das Polizeiamt, Abfälle in städtischer Regie gezielt abzulagern. Der Müll könne sortiert oder "behufs Krafterzeugung" verbrannt werden. 1913 wird die städtische Müllabfuhr ins Leben gerufen, die Pferdefuhrwerke einsetzt. 1927 beschließt der Senat, die Fuhrwerke durch elektrobetriebene Fahrzeuge zu ersetzen und die Gründung der "Lübecker Transport- und Müllabfuhr AG". Die bisherige Art der Müllablagerung bleibt nicht ohne Folgen: 1939 beschweren sich die Anlieger über Brände und andere Belästigungen, der Bevölkerung wird untersagt, heiße Asche in die Abfalleimer zu schütten.

Überzeugende Konzepte für die Zukunft

Elektrofahrzeug 1953 hat das Kanalnetz eine Länge von 230 Kilometer erreicht (im Jahr 2000 sind es ca. 800 Kilometer Kanalnetzlänge). Einen positiven Wendepunkt in der wasserwirtschaftlichen Stadtgeschichte markiert das Jahr 1967: Das Zentralklärwerk wird in Betrieb genommen, das eine völlig neue Grundlage für die Abwasseraufbereitung bietet. Im Dezember 1963 wird der "Schuttplatz" Niemark eröffnet - eine moderne Deponieanlage mit Zukunft entsteht. 1998 werden im Zuge der Verwaltungsreform das Amt für Stadtentwässerung und das Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung zusammengeführt zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen: den Entsorgungsbetrieben Lübeck.


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